2019-10-24

New Mexico - Aliens und Anderes in der Bisti Wilderness

Wir arbeiten uns so langsam nach Süden voran und erreichen New Mexico. Dies ist unser erster Besuch in diesem US-Bundesstaat. Bei vergangenen Reisen stand dies nie so hoch auf der Prioritätenliste, auch weil es so weit von der üblichen Route entfernt liegt. Zu Unrecht, wie wir nun feststellen.

Unsere erste Station hier ist die Bisti Wilderness, ein Wüstengebiet sogenannter "Badlands", in dem es viele Hoodoos und andere ungewöhnliche Felsformationen gibt. Wilderness bedeutet: es gibt keine markierten Wanderwege, nur ein paar ungeteerte Straßen führen hinein, man ist völlig auf sich allein gestellt. Empfehlenswert ist ein Mobiltelefon mit GPS und Karte des Gebiets, um die wesentlichen Punkte zu Fuß annavigieren zu können. Allerdings ist der direkte Weg oft nicht der schnellste. Am besten voran kommt man entlang der beiden ausgetrockneten Flussbetten, und kann dann von da aus abzweigen.

Am Ankunftstag ist es schon recht spät, und vor Einbruch der Dunkelheit schaffe ich es gerade noch bis zu den sogenannten Chocolate Hoodoos. Diese sind allerdings wenig beeindruckend, und es macht sich schon so etwas wie Enttäuschung breit.

Am nächsten Morgen will ich zum Sonnenaufgang an den "Cracked Eggs" (oder auch "Alien Hatchery") sein. Das ist vom südlichen Parkplatz, auf dem wir übernachten, etwa 45 Minuten Fußweg entfernt. Das bedeutet früh aufstehen, warm anziehen (Temperaturen in der Nacht um den Gefrierpunkt) und in absoluter Dunkelheit loslaufen. Das ist nicht nur meine erste Querfeldeinwanderung, sondern auch meine erste Nachtwanderung. Es hat schon etwas Unwirkliches, so völlig allein in der Dunkelheit zu marschieren (Bernd hat keine Lust mitzukommen), seine Umgebung außerhalb der Reichweite der Stirnlampe nur schemenhaft wahrzunehmen, und nur nach GPS zu laufen. Per Zufall stolpere ich quasi über den Bisti Arch, gerade als der erste Streifen Helligkeit am Horizont die Nacht durchbricht.

Von dort ist es nicht mehr weit zu den "Cracked Eggs", und ich bin lange vor Sonnenaufgang dort (was gut ist, denn die aufgehende Sonne trifft wegen einer Hügelkette nicht unmittelbar auf die Eggs). Die Felsformationen erinnern tatsächlich etwas an eine Szene aus dem Film "Alien".



Es gibt sogar ein Ei, das aussieht als ob etwas mit Rückgrat schlüpft...

Das nenne ich eine absolute Traumlokation. Der Weg zurück im strahlenden Sonnenschein ist völlig anders, aber auch hier ist GPS hilfreich, weil man den Parkplatz von weitem nicht gut erkennt. Bernd wartet schon mit dem Frühstück :-)

Am Nachmittag besuchen wir noch im nördlichen Teil einen Bereich, der sich "Stone Wings" nennt. Eine Gruppe ungewöhnlich geformter Hoodoos erwartet uns.



Hier habe ich mich entschieden, einige Fotos kontrastreich in schwarz-weiß zu entwickeln, da dies die surreale Stimmung noch betont.


Wir übernachten diesmal auf dem nördlichen Parkplatz.
Bisti ist echte Wildnis. Die meiste Zeit sind wir allein. Auf den Parkplätzen gibt es zwar tagsüber einige andere Autos, aber andere Menschen sieht man selten. Nachts ist man völlig allein.

Bevor wir New Mexico wieder vorübergehend verlassen, stoppen wir noch am Shiprock (in der Nähe der gleichnamigen Stadt)

und fahren dann über den Scenic Byway 13 wieder durch eine komplett andere, deutlich grünere Landschaft, nach Arizona.












2019-10-22

Canyonlands National Park - Needles District

Neben dem Islands-in-the-Sky-District, den wir bereits früher auf unserer Reise besucht haben, gibt es noch den Needles District des Canyonlands National Park. Wenn man vom Islands-in-the-Sky District den Blick eher von oben auf die Sandsteinformationen hat, so ist man im Needles District tief unten und es gibt mehrere großartige Wanderwege durch die Formationen.

Wir verbringen 3 Nächte auf dem Squaw Flat Campground, einer der landschaftlich am schönsten gelegenen Campingplätze der USA. Mit viel Glück erhaschen wir ohne Reservierung den letzten freien Platz.

Die Tagestemperaturen liegen um die 20°C und sind ideal zum Wandern, nachts ist es recht frisch.

Eine Halbtageswanderug führt direkt vom Campingplatz durch 2 Canyons als Rundweg. Größtenteils einfach durch die ausgetrockneten Flussbetten, aber mit etwas Kraxelei verbunden, wenn man den Kamm zwischen den beiden Canyons überwinden muss.




Die andere Halbtageswanderung führt zum Chesler Park Viewpoint, tief hinein in die nadelförmigen Strukturen.

Insbesondere der letzte Anstieg zum Aussichtspunkt ist sehr anstrengend (das Stück ist auch bekannt als "Fat Man's Misery"), aber oben ist es wirklich ein Erlebnis.



Auf dem Rückweg bekommt man beim Anblick des "Hamburger Rock" schon mal Appetit auf das Abendessen.

Auf dem Weg aus dem Park retten wir noch einer Schlange das Leben, die es sich auf dem warmen Asphalt gemütlich gemacht hat.

Bernd hat im Visitor Center besser aufgepasst als ich und ist sicher, dass sie nicht giftig ist. Also packe ich sie mit 2 Wanderstöcken und bringe sie in Sicherheit, damit sie nicht überfahren wird. Das ist mein erster Kontakt mit einer Schlange, und es ist gar nicht schlimm.

Wir verlassen nun Utah, streifen noch einmal kurz Colorado, und steuern unser nächstes Ziel in New Mexico an.









2019-10-19

Ein Stück klassischer Südwesten

Wir befinden uns wieder auf dem Weg ins südliche Utah, um die verbleibenden Sehenswürdigkeiten südlich des Arches National Park zu erkunden. Wir wollten hier im Herbst sein, wenn es nicht mehr ganz so heiß ist, und der Plan geht gut auf.

Auf dem Weg von Page ist der Hwy 163 die klassische Route durch den amerikanischen Südwesten. Ab Kayenta wird es landschaftlich sehr schön, und die Straße führt auf der Grenze von Arizona nach Utah mitten durchs Monument Valley mit seinen markanten Sandsteinformationen (die man von früher aus der Zigarettenwerbung kennt). Das Monument Valley steht unter Navajo-Verwaltung und es gibt einen Scenic Drive zum Selbstfahren durch die Formationen. Aber wie schon bei den Antelope Canyons gibt es auch hier sehr restriktive Regeln (Öffnungszeiten erlauben es nicht, bis Sonnenuntergang zu bleiben, Herumlaufen nicht erlaubt, etc.), die für mich völlig unakzeptabel sind. Man will hier offensichtlich wieder abkassieren und die Touristen auf die teureren Guided Tours bringen. Es ist schon zu spät am Tag, um den Scenic Drive noch in Ruhe abzuschließen, daher fahren wir einfach nur auf dem Highway 163 mitten durchs Monument Valley und halten an einigen Aussichtspunkten. Das ist ein völlig kostenloser Scenic Drive, und man darf zum Sonnenuntergang sein wo man will!


Wir sind zum Sonnenuntergang an Mile Marker 13 (für die Filmfans: das ist da, wo Forrest Gump aufgehört hat zu laufen).

Der Hwy 163 führt bei Mexican Hat über den San Juan River. Der Ort selbst ist klein und wir fahren nur durch, denn unser Tagesziel ist der Gooseneck State Park, hoch über den Schleifen des San Juan River.

Der State Park Campground kommt leider nicht an den Standard der übrigen Utah State Parks heran, kostet aber auch nur $10. Für eine Nacht ok.


Am nächsten Tag fahren wir den Hwy 261 in Richtung Natural Bridges NM, und lassen uns auch von solchen Schildern nicht abschrecken.

Die Serpentinenstraße ist auch als Moki Dugway bekannt, und ist mal wieder gar nicht so schlimm wie das Schild vermuten lässt.

Eine normale Alpenpassstraße ist genauso steil und kurvig. Von oben hat man einen schönen Blick über das Valley of the Gods, das über ähnliche Sandsteinformationen verfügt wie das Monument Valley.

Hier könnte man auch durchfahren, aber wir begnügen uns mit dem Blick von oben, denn wir wollen gegen Mittag am Natural Bridges NM ankommen. Dieses kleine aber feine Gebiet umfasst 3 natürliche Steinbrücken und ist gut für einen halben Tag Wandern und eine Übernachtung. Die Brücken kann man am besten von unten bewundern, was mit allerlei Kraxelei verbunden ist.

Wir wandern den Loop von Sipapu zu Kachina Bridge durch das ausgetrocknete Flussbett, mit den Bäumen in schönsten Herbstfarben.


Die Wanderung zieht sich zum Ende hin, und wir sind ziemlich fertig, als wir wieder am Auto sind. Aber die dritte Brücke, Owachomo Bridge, wartet noch. Erst am Nachmittag zum Scouten, und das ganze dann noch einmal bei Dunkelheit.